Großinvestition stärkt nukliD: Ganzkörper-PET bis 2028
Wie Spitzenforschung in Dresden wirtschaftliche Impulse setzt
Mit der Einwerbung von knapp fünf Millionen Euro EU-Fördermitteln für ein Ganzkörper-Positronen-Emissions-Tomographiesystem (GK-PET) setzt das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) einen wichtigen Meilenstein für die radiopharmazeutische Krebsforschung in Dresden – und stärkt zugleich das gesamte Radiopharmacy Cluster nukliD®.
Das geplante GK-PET ermöglicht eine nicht-invasive molekulare Ganzkörperbildgebung in bislang unerreichter Qualität. Konventionelle PET-Systeme weisen ein axiales Sichtfeld von 15 bis 26 Zentimetern auf und erlauben die Erfassung größerer Körperabschnitte nur in mehreren aufeinanderfolgenden Bettpositionen. Ganzkörper-PET-Scanner hingegen verfügen über ein axiales Sichtfeld von über einem Meter und ermöglichen damit die gleichzeitige Erfassung nahezu aller Organe des menschlichen Körpers in einer einzigen Aufnahme.
Damit wird das Team um Prof. Anja Braune, Leiterin der Abteilung Positronen-Emissions-Tomographie am HZDR-Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung, in die Lage versetzt, die räumliche und zeitliche Verteilung von Radiotracern im gesamten menschlichen Körperstamm in hochaufgelöster Form zu analysieren. Mit einem über dreimal größeren Sichtfeld als herkömmliche PET-Systeme und deutlich höherer Sensitivität lassen sich Untersuchungszeiten sowie die verabreichte Radioaktivitätsmenge erheblich reduzieren. Das senkt die Strahlenbelastung für Patient*innen und erleichtert Studienteilnahmen. Die bessere Auflösung erhöht zudem die Erkennbarkeit kleiner Tumorläsionen in frühen Krankheitsstadien.
„Ein Ganzkörper-PET ist eine zentrale Technologie für die Weiterentwicklung radiopharmazeutischer Ansätze in der personalisierten Präzisionsmedizin“, erklärt Braune. „Solch ein System ermöglicht die bestmögliche quantitative Erfassung der Verteilung von Radiopharmaka im gesamten Körper eines Menschen - und das ohne invasiven Eingriff. Darüber hinaus eröffnet es neue Möglichkeiten für KI-gestützte Bildgebungs- und Analyseverfahren sowie für präzisere individualisierte Therapieplanungen. Die hohe Sensitivität des Systems könnte perspektivisch den Einsatz von Dual-Tracer-Protokollen ermöglichen, bei denen die zeitliche und räumliche Verteilung zweier Radiotracer im selben Patienten innerhalb einer Untersuchung vergleichend analysiert werden kann.“
Das HZDR-Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung verfügt über international anerkannte Expertise in der Entwicklung innovativer Radiopharmaka, der sogenannten Radionuklid-Theranostik, sowie in der quantitativen PET-Bildgebung und künstlicher Intelligenz. In enger Zusammenarbeit mit dem UKDD, der TU Dresden, dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) sowie mit Industriepartnern im Radiopharmacy Cluster Dresden (nukliD®) sichert das GK-PET die Fortführung der exzellenten Forschung.
Die Investitionskosten für die Beschaffung des GK-PETs belaufen sich auf insgesamt knapp acht Millionen Euro. Der Betrieb erfolgt in enger strategischer Partnerschaft zwischen HZDR und UKDD. Das Gerät wird am UKDD aufgestellt, wodurch eine unmittelbare Nähe zur klinischen Patient*innenversorgung, einschließlich Therapiepatient*innen, gewährleistet wird.
„Durch das kooperative Modell des gemeinsamen Betriebs durch HZDR und Universitätsklinikum werden optimale strukturelle Voraussetzungen für eine translationale Verbindung zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung geschaffen“, sagt Prof. Ralph Alexander Bundschuh, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Dresden.
Die Inbetriebnahme des GK-PET ist für Sommer 2028 geplant. Eng mit der Beschaffung des GK-PET verbunden ist die Gründung einer Radiopharmazie Transfer Gruppe SYNRaDT (Synergy in Radiopharmacy Transfer Dresden). Mit der SYNRaTD-Initiative soll eine interdisziplinäre Expert*innengruppe eingerichtet werden, die den Transfer neu entwickelter Radiopharmaka in die klinische Anwendung aktiv begleiten und weiter beschleunigen wird.
Die neue Infrastruktur wird eine zentrale Rolle dabei spielen, innovative Radiopharmaka schneller in die klinische Anwendung zu überführen. Für nukliD bedeutet das: bessere Bedingungen für die Entwicklung, Bewertung und Translation innovativer radiopharmazeutischer Ansätze.
Foto: HZDR/Andrea Grützner
